Diese Sage ist im Herzen der Julischen Alpen entstanden und erzählt von den wunderbaren Gärten im Tal der Seen des Triglav. Da es jedoch nicht möglich ist, ihre Entstehungszeit dazu bestimmen, bleibt sie zeitlos. Sie übermittelt die beunruhigende Botschaft von den zerstörerischen Folgen, die das Handeln des Menschen fűr die Natur haben kann. Wenn der Mensch die Grenzen der Vernunft űberschreitet, ohne jegliche Bedenken das natűrliche Gleichgewicht stört und die verbotene frucht einzig zu seinem eigenem Nutzen pflűckt, muss er zur Strafe sterben. Die Natur hingegen erholt sich langsam wieder und lebt weiter.
Früher war das Tal der Seen und die weite Hochgebirgsebene von Komna ein wahres Alpen-Paradies, in dem weiβe Frauen, gute und sanfte wesen, wohnten. Manchmal erschienen sie im Tal und halfen Menschen in Bedrängnis und Wöchnerinnen. Das Kind, das in ihrer Gegenwart zur Welt kam, stand Zeit seines Lebens unter ihrem Schutz. Sie verlangten keinen Dank für ihre guten Taten. Doch, wenn sich jemand aus Versehen oder Überheblichkeit ihren Gefilden näherte, zwangen ihn Steinschlag oder Schneelawinen, Gewitter und Hagel schnell ins Tal zurückzukehren. Ihre Herden weideten in den Bergen unter der Aufsicht eines groβen, weiβen Steinbocks mit dem Namen Zlatorog. Er hatte goldene Hörner, welche der Schlüssel zu einem ungeheuren verborgenen Schatz waren.
Ein junger Jäger aus dem Tal von Trenta wuchs unter dem Schutz der weiβen Frauen heran. Ohne die geringste Angst konnte er die höchsten Gipfel besteigen. Eines Tages brachte er einem sehr schönen jungen Mädchen aus dem Tal einen Strauβ Bergblumen als Geschenk und gewann so ihre Liebe. Wenig später begehrte jedoch ein reicher Kaufmann aus Venedig das junge Mädchen zur Frau und beschenkte es mit Juwelen und Gold. Er forderte von dem jungen Jäger als Liebesbeweis den Schatz des Zlatorog für das Mädchen zu erringen. Verzweifelt machte er sich noch in derselben Nacht auf die Suche nach Zlatorog. Bei Tagesanbruch erblickte er ihn auf einem hohen Felsen, zielte auf ihn, vergaβ jedoch Zlatorog Zauberkräfte. Wunderbare Blumen wuchsen dort, wo das Blut des tödlich getroffenen Tieres rann. Sterbend aβ Zlatorog eine von ihnen und erhielt augenblicklich seine volle Lebenskraft zurück. Er stürzte sich auf den Jäger, der voller Schreck und geblendet von dem Glanz der goldenen Hörner in eine Schlucht fiel. Der Fluss Soča trug seinen Leichnam ins Tal. In seinen Händen hielt er einen Strauβ Blumen vom Triglav. In seinem heiligen Zorn zerstörte Zlatorog das Bergparadies und verschwand für immer. Die weiβen Frauen taten es ihm gleich. Sein Schatz blieb in den Bergen des Triglav verborgen.
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